"Freiheit" oder Determinismus?

Eigene Gedanken zum Thema "Freiheit", "Freier Wille", Determinismus.

21 Dezember 2008

 


DER FREIE WILLE



Definition:

Menschliche "Freiheit" sehe ich als eine bedingte Freiheit, die bei Abwesenheit innerer und äußerer Zwänge erfahren wird.
Menschliche "Freiheit" erfahren wir auch, weil uns die Welt ein reichhaltiges Angebot "macht" und wir über ein Verhaltensrepertoire verfügen, das es uns erlaubt, in einer schier unendlich großen Variationsbreite auf diese Welt einzugehen (beides steht zueinander in enger Korrelation).
Doch wir haben keine (absolute) Freiheit. Hätten wir sie, wäre das fatal.
Wir können uns nicht non-deterministisch oder akausal verhalten.
Wir sind auch als Menschen nicht herausgenommen aus einem naturgesetzlich bedingten Geschehen.



"FREIER" WILLE - TEIL I: humanethologische Vorbedingungen


1) Eigene Zielsetzung

Nach meiner tiefen Überzeugung ist menschliches Lernen der Aspekt, der in dieser Diskussion am stärksten hervorgehoben werden sollte. Tatsächlich aber kommt er viel zu kurz.

Es geht mir um den Begriff der Schuld.
Unter Schuld verstehe ich dabei die Schuldzuweisung - nicht Schuldgefühl oder Reue.
Schmerz zeigt uns an, dass ein Verhalten, welches den Schmerz verursachte, korrekturbedürftig ist. Da wir den Schmerz, den wir anderen Wesen zufügen, nicht selbst empfinden können, haben wir als Äquivalent das Schuldgefühl und die Reue entwickelt, die uns in vergleichbarer Weise anzeigen, dass unser Verhalten korrekturbedürftig ist.
Bei der Schuldzuweisung dagegen handelt es sich um etwas anderes. Es ist entweder der Versuch, Schuldgefühl und Reue im Sinne einer intersubjektiv gültigen Konvention zu beschreiben (vollkommen legitim) - oder aber es ist der Versuch, ausgehend von normalmenschlichem Empfinden Schuldgefühl und Reue "wissenschaftlich" objektivierbar zu machen (nicht legitim).

Letzteres setzt Kenntnisse voraus, die bei nur normalmenschlichem Empfinden nicht gegeben sind und stellt ein Verlassen "hoheitlicher Grenzen" der Volkspsychologie dar. Ein Wissenschaftler kann und darf durch seine Erkenntnisse uns Menschen keine Gefühle und Empfindungen "wegerklären". Umgekehrt herum ist es aber eine Anmaßung, wenn man, ohne über ausreichende wissenschaftliche Kenntnisse zu verfügen, glaubt, von normalmenschlichem Empfinden ausgehend wissenschaftliche Methodik bevormunden zu können.

Dies läuft immer wieder nur auf eines hinaus (und das ist die Logik der Gefühle): Man möchte, dass sich die eigenen Gefühle bestätigen. Es soll das Wahrheit sein, was die Gefühle als Wahrheit erleben.

Dies wird gegebenenfalls unter dem Deckmantel der "Methodenkritik" versteckt. Mit Methodenkritik hat es indes nicht mehr das Geringste zu tun, wenn darunter verstanden wird, dass eine Methode Einfluss nehmen solle auf das über sie ermittelte Ergebnis.

Ursächlichkeiten zu erforschen und darüber zu ergründen, ob gegebenenfalls Bedingungen vorhanden sind, die es gerechtfertigt erscheinen lassen, von einer objektiv gegebenen Entscheidungsfreiheit und einer objektiv gegebenen Schuld zu sprechen: Dies ist und bleibt Aufgabe der Wissenschaft - nicht Aufgabe der Volkspsychologie. Etwa Philosophen, Juristen, Pädagogen, die an einem entsprechenden Diskurs teilhaben wollen, müssen sich die notwendigen Kenntnisse aneignen. Ansonsten haben sie zwar eine erweiterte Bildung - wollen sich aber dort einbringen, wo ihr Verständnis eben doch nur volkspsychologisch ist.


In ganz besonderem Maße geht es mir weiterhin darum, folgende Notwendigkeit aufzuzeigen:

Wir müssen Menschen, die sich grob dissozial verhalten, während der Zeit, in der wir sie von der Gesellschaft isolieren, über gezielte Trainings- und Schulungsmaßnahmen verändern bzw. wir müssen dies zumindest versuchen. Straftäter während der Haftzeit sich selbst zu überlassen ohne begleitende Wiedereingliederungsmaßnahmen müsste als der Situation nicht angemessen und überholt eingesehen werden.

Attestieren wir solchen Menschen aber eine Einsichtsfähigkeit, die sich aus dem volkspsychologisch gängigen Konstrukt des "freien Willens" ergibt, so existiert überhaupt keine Notwendigkeit für ein haftbegleitendes Verhaltenstraining. Nach gängiger Sicht werden Straftaten von zurechnungsfähigen Tätern nicht wegen mangelnder Einsichtsfähigkeit begangen. Im Gegenteil: Es wird in naiver Fortschreibung einer praktisch auf Instinktebene in uns verankerten Tradition postuliert (ohne dass für dieses Postulat ein sinnvolles Modell geliefert werden könnte), der Täter hätte sich "richtig" (sozial angepasst!!) verhalten können, wenn er dies "nur gewollt hätte".

("Volkspsychologie" als Terminus wird von mir im übrigen weder diskriminierend noch klischeehaft-stigmatisierend verwendet. Volkspsychologie bezeichnet die "normale" Wahrnehmung und Deutung menschlichen Verhaltens. Volkspsychologie ist traditionell-normalmenschliches Empfinden. Volkspsychologie ist die Sprache, die uns vor allem unsere Gefühle lehren. Volkspsychologie spiegelt in hohem Maße die "Logik der Gefühle", die sich aus sich selbst heraus begründet und die insofern nicht in Frage zu stellen ist).

Verfechter des volkspsychologischen Standpunktes (ein Mensch "könne" sich in jeder Situation auch anders verhalten, sei also "frei") reagieren nicht auf die Unsummen von Belegen, die inzwischen in Psychologie, Kognitions- und Neurowissenschaften gesammelt wurden und die allesamt klar und deutlich aufzeigen, dass volkspsychologisches Empfinden nicht in Deckung zu bringen ist mit wissenschaftlicher Beobachtung. Warum Menschen, die ihr Selbstverständnis in der Erfahrung persönlicher "Freiheit" verorten, nicht auf diese Belege reagieren und weshalb ihnen dabei auch nicht auffällt, dass sie kontradiktorisch kein logisch-rationales Modell entwickeln (können), das dem naturwissenschaftlichen Modell gegenüberzustellen wäre, dies wird nochmals Gegenstand einer Betrachtung sein, die ich in TEIL II-3) vorstellen werde.


2) Sozialisation - Selbstständigkeit - planvolles, zielorientiertes Verhalten

Der Mensch wird mit spärlichen aber prägenden Grundanlagen geboren, welche die Basis dessen bilden, was er im Verlaufe seiner Sozialisation lernt. Sein Verhalten durchläuft verschiedene Stufen der Verfestigung. Abhängigkeiten von Familie, sozialer Schicht, Sprachzugehörigkeit usw. bleiben zwar ein Leben lang unterschiedlich ausgeprägt erhalten. Ein erwachsener Mensch erlangt aber innerhalb all dessen, an was er gebunden bleibt, doch eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Selbstständigkeit bzw. "Autonomie" (unter Vorbehalt). Als gewachsenes, gereiftes und gefestigtes Wesen ist er nun in der Lage, auf zuverlässige Verhaltensmuster zurückzugreifen, die ihm seine Orientierung in der Welt erleichtern und es ihm ermöglichen, seine eigene Individualität zu entfalten.

Menschliches Handeln ist ein typisch menschliches Verhalten, in welchem der Mensch unter Beweis stellt, dass er (jedem Tier weit überleben), Elemente seiner Erfahrung (seiner Vergangenheit) im Zusammenspiel mit seinen (gefühlsgetönten) Wünschen, Pflichten aber auch Trieben in der Lage ist so zu permutieren und zu rekombinieren, dass daraus das Bild einer ganz eigenen, einer persönlichen Welt ersteht. Er sagt nun: "Das ist meine Welt".

So entstehen Verhaltensabläufe oder Pläne, die (sich stets an der eigenen Vergangenheit orientierend) in der Gegenwart auch die Zukunft schon vorwegnehmen, sie antizipieren. In der Vergegenwärtigung der Zukunft und einer extrem ausgeprägten Kombinationsgabe (Flexibilität, erfinderische Fähigkeit) zeigen sich zusammen mit Sprache, Abstraktionsvermögen und Selbst-Bewusstheit menschliche Züge, die wir im Tierreich nirgendwo auch nur annähernd ausgeprägt vorfinden.
Allerding: Rudimentär beobachtet man zielgerichtetes und nicht rein vorprogrammiertes Verhalten bereits bei Insekten, beispielsweise den Bienen. Bienen können sich Mitteilungen über Flugrichtung und Entfernung zu einer Nahrungsquelle machen. Diese müssen zum einen verstanden werden. Dem aber nicht genug. Es muß darüber ein neuer "Ablaufplan" aktualisiert werden können, der bestimmt, wann eine Verhaltenssequenz beginnt und wann sie endet.
Bei allen Raubtieren, die in Rudeln jagen, ist zielgerichtetes Verhalten dann schon um ein beträchtliches Maß weiterentwickelt und zeichnet sich maßgeblich durch die hohe Flexibilität aus, mit welcher die Tiere innerhalb der Planung und Ausführung ihres Jagd-Verhaltens auf sich immer wieder verändernde Bedingungen reagieren können.

In einer endlos langen Linie kann in der vergleichenden Verhaltensbiologie aufgezeigt werden, wie die Freiheitsgrade (Variabilität bestimmter Verhaltensgrundmuster und Kombination unterschiedlicher Verhaltensgrundmuster)
von einfacheren Tieren bis hinauf zum Menschen immer weiter zunimmt. Schon Tiere sieht man heute nicht mehr als reine "Reiz-Reaktions-Maschinen" - und beim Menschen ist man von diesem primitiven Modell inzwischen weit entfernt. Wir haben Reiz-Reaktions-Module in uns, ja - das alte Erbe ist immer noch in bzw. "unter" uns bewahrt. Andererseits aber haben wir als Menschen auch einen ganzen Teil der Welt in uns "hineingenommen". Und wir haben eine "Instanz" in uns, mit der wir uns IN-EINS setzen und die wir als unser "ICH" bezeichnen, die eben dadurch, dass sie Stufe für Stufe weiter aus der direkten und unmittelbaren Bindung an die Umwelt (Reiz-Reaktions-Kopplung) gelöst wurde, "frei" geworden ist für eine Fülle von gebotenen Möglichkeiten.

Wenn die Zukunft ein Warenladen sei, so ist dieser Laden bei einfachen Tieren noch sehr klein - uns Menschen dagegen steht ein "Super-Markt" offen.

"Freiheit" (unsere "Freiheit") wäre so gesehen die Beziehung, in welcher ein Individuum zu dem Angebot steht, das ihm die Zukunft "macht". Kleines Angebot - kleine "Freiheit". Großes Angebot - große "Freiheit".

Systemisch gesehen haben wir viele "Freiheitsgrade". Es ist dies eine "Freiheit des Anblicks vieler Möglichkeiten".

Es geht aber um die Frage: Gibt es eine Freiheit in der Wahl?

Die Option, der Welt auf unterschiedlichste Weise begegnen zu können, die unmittelbar korreliert mit Gehirnanteilen, die sich von einer direkten Beziehung zur Umwelt abgekoppelt haben und damit die menschliche Fähigkeit zu zielgerichtetem und planvollem Handeln begründeten bleibt von meiner deterministischen Position vollkommen unberührt! Aus einer deterministischen Position heraus ist es heute vermittels der Erkenntnisse aus der Chaostheorie bei Betrachtung nicht-linearer Systeme (deterministisches Chaos) möglich, sehr befriedigende Modelle auch für zielgerichtetes menschliches Verhalten, planvolles Handeln und Selbstbestimmung zu liefern. Zwar sind es nur Modelle und es werden immer Modelle bleiben. Man kann nicht korrekt induktiv vorgehen. Es sind Extrapolationen, zu denen man gezwungen ist, weil die Systemkomponenten bzw. Module, die man bis heute verstanden hat, allesamt nur Fragmente des Großen Ganzen darstellen, das sich uns als Gesamtorchester noch längst nicht erschließt.

Allemal: Es sind aber Modelle!

Vertreter der volkspsychologischen Position dagegen, die aus ihrem natürlichen Empfinden heraus argumentieren, bedienen sich der Logik der Gefühle. Modelle für menschliches Verhalten aber können sie nicht liefern.
Die Logik der Gefühle bestätigt sich selbst - somit sind diese Argumentationen innerhalb der Logik der Gefühle auch richtig. Ein Apfel schmeckt nicht dadurch nicht mehr süß (wenn man es so empfindet), dass ich wissenschaftlich erkläre, warum er süß schmeckt und dass ein jeder Apfel immer auch ein wenig sauer "sei".

Die unlösbaren Missverständlichkeiten werden dadurch geboren, dass Diskutanten, die aus der Logik der Gefühle heraus mit emotionaler Intelligenz argumentieren, ihre Argumentation wie oben dargelegt auf das Feld wissenschaftlich und philosophischer Logik anwenden.

Gefühle lassen sich nicht mit wissenschaftlicher Logik begründen. Genau so wenig aber ist es möglich, wissenschaftliche Logik mit Gefühlen zu falsifizieren.




"FREIER" WILLE - TEIL II: Die Kernargumentation gegen den "freien" Willen


1) Logisches Argument


Beispiel:
In einem Gremium arbeiten 19 Experten aus unterschiedlichen Bereichen an einem Problem. Es sollen (begrenzt vorhandene) Kindergartenplätze gerecht verteilt werden. Dies wird an einem exemplarischen Fall diskutiert. Eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern und geringem Einkommen konkurriert mit einer wohlsituierten verheirateten Frau mit fünf Kindern.
Unterschiedlichste Argumente werden diskutiert. Jedes Mitglied des Gremiums hat noch ausreichend Zeit, die eigene Position zu bedenken. Dann kommt es zur Abstimmung. 10 der Experten stimmen für die alleinerziehende Mutter. 9 stimmen für die verheiratete Mutter von 5 Kindern.
Das Abstimmungsergebnis belegt eindeutig und klar, dass verschiedene Entscheidungen möglich sind und dass es fast gleichwertige Argumente geben muss.
Jeder Einzelne hat während der Diskussionsphase die unterschiedlichsten Argumente zur Kenntnis genommen.

Wir wandeln dieses Beispiel der Einfachheit halber in einen Formalismus um und sprechen von E1 (alleinerziehende Mutter) und E2 (Mutter von 5 Kindern).

Habe ich mich für E1 entschieden und könnte mich (wäre der Moment der Entscheidung wiederholbar) auch für E2 entscheiden, so würde dies zweierlei beweisen:

1. Mein Wille wäre frei
2. Meine Entscheidung für E1 war unbegründet

Könnte der Moment der Entscheidung beliebig oft wiederholt werden und es käme dabei heraus, dass ich mich zu 50% für E1 und zu 50% für E2 entscheide, wäre folgendes damit bewiesen:

1. Mein Wille wäre auch statistisch gesehen frei
2. Meine Entscheidungen sowohl für E1 als auch für E2 waren unbegründet
3. Der Austausch von Argumenten, die jeweils entweder für E1 oder E2 sprachen, war sinnlos, denn sie zeitigten keinen messbaren Effekt.


Damit allein ist Non-Determinismus bzw. Freiheit in logischem Sinne (also echt akausales Verhalten) bereits schlüssig widerlegt.

Nun leuchtet dies Menschen, die volkspsychologischem Denken verhaftet sind, normalerweise ein. "Wenn ich in solchem Sinne frei wäre, also Entscheidungen fällen würde ohne jeden Grund, dann wäre ich ja wie ein Wackel-Elvis auf dem Armaturenbrett."

Freier Wille als Zufall - das geht nicht. Darüber scheint(!) man Klarheit gefunden zu haben.

In diesem Moment scheinbarer "Klarheit" ist aber bereits unklar, dass es aus dem Determinismus überhaupt nur einen einzigen Ausweg gibt:

und der heißt Akausalität oder Zufall.


Etwas anderes gibt es nicht. Was denn auch??

Aber lassen wir uns auf volkspsychologische Argumentationsstrategie ein und konstatieren, es gäbe einen Ausweg.

Dieser sieht dann gängigerweise so aus, dass aus dem ICH, das sich mit seiner Zukunft beschäftigt und nach Entscheidungen sucht, ein mehr oder weniger skurriles Fantasy-Produkt gemacht wird, das seine Entscheidungen einerseits begründen kann, aber dabei dennoch frei ist.

Was aber ist ein "ICH", das Entscheidungen begründen kann und wie kann es "seine" Entscheidungen begründen?

Hier führt der Weg zurück zum allerersten Ausgangspunkt dieser Diskussion:

Ich hatte argumentiert, dass es dabei nicht notwendig sei, das "ICH" von seinem "innersten Wesen her" zu erfassen bzw. vorzudefinieren.
In der Tat: Es ist nicht wichtig zu wissen, was ein "ICH" sei. Ganz gleich, mit welchem "Inhalt" ich dieses ICH auch immer ausfüllen mag:

Ein ICH, das Entscheidungen fällen möchte, braucht Entscheidungskriterien.

Ein Entscheidungskriterium ist eine Antwort auf die an mich selbst gestellte Frage, was für eine Entscheidung spricht und was gegen sie.

Entscheidungskriterien können komplexe Konglomerate sein aus internalisierter Sozialisation, Gefühlen, Gedanken, Wertvorstellungen - sie können aber auch ganz schlicht daherkommen als "Geschmack", "Gefallen", oder als Vorliebe.

Entscheidungskriterien sind gewissermaßen der präformierte Unterbau, von dem ausgehend ein Entscheidungsprozess seinen Ausgang nimmt. Sehen wir im Entscheidungsprozess ein nicht-lineares System, so handelt es sich bei diesem präformierten Unterbau gemeinsam mit dem, was von der Umwelt dazu noch einfließt, um die sogenannten "Anfangsbedingungen".

Hier nun quält den Volkspsychologen ein erstes Unbehagen. Mit einem Mal ist ja das ICH "verschwunden"... Es geht "nur" noch um den Entscheidungsprozess - der nun dem ICH wohl "widerfährt"?? Wird aus dem ICH ein passiver "Zuschauer" - gar ein "Unbeteiligter", der seine Daseinsberechtigung verliert und vom ganzen Geschehen ausgeschlossen ist??

Diese ganzen Fragen sind erwiesenermaßen geboren aus Unwissenheit, mangelndem Verständnis der Zusammenhänge und einer naiven Seinsschau. Sie sind nichts anderes als das Umformulieren jenes Unverständnisses in mehr oder weniger hilflose Fragen. Der "Brustton" bleibt dabei immer der gleiche: Was ich nicht verstehe, das kann nicht sein!

Hier nun kommt es zur Reibungsfläche zweier logisch differenter Welten - und der sich damit flechtende Gordische Knoten ist nicht auflösbar:

Der Volkspsychologe (oder Populist) begibt sich in die "Höhle des Löwen" und stellt selbst eine Theorie auf.
Diese aber ist nur eine Behauptung, die niemals begründet wird:

Er rennt alles zuvor Gesagte über den Haufen, ignoriert jedes Argument und erhebt sein normalmenschliches Empfinden zum Maßstab, der seiner Meinung nach an die Wissenschaft anzulegen sei:
Wenn ein Mensch verschiedene Möglichkeiten zu handeln erkennen kann, dann ist er auch frei für diese verschiedenen Möglichkeiten und kann sich dementsprechend frei entscheiden. Ein Mensch ist frei für seine Zukunft.

2) Gegenargument

Wenn man auf diese Behauptung (die der Logik der Gefühle entspringt) eingeht, dann findet man zu folgender Gegenargumentation (die ich in meinem Leben nicht zum ersten Male anführe - sie nutzt in der Regel aber auch nichts):

Setzen wir voraus, die Entscheidung oben wäre nicht dem Zufall folgend entweder auf E1 oder E2 gefallen. Vielmehr hätte der Mensch in jeder Situation und in jedem Moment stets die "freie" Wahl.

Setzen wir voraus, ein Mensch könne, wenn er sich einer Wahlmöglichkeit gegenübersehe und Argumente finde, die sowohl für die eine als auch für die andere Entscheidung sprächen, sich frei auf die eine als auch auf die andere Richtung festlegen.

Dann kommen wir nun zu des Pudels Kern, um den sich diese Diskussion doch dreht:

Bei einem Straftäter wird gesagt, er habe, sofern er zurechnungsfähig (schuldfähig) sei, die Möglichkeit gehabt, das Strafbare seines Tuns einzusehen. Demzufolge hätte er auch anders handeln können. Er hat beispielsweise einer älteren Dame die Tasche geraubt. Er hätte es auch sein lassen und ihr über die Straße helfen können.

Niemandem fällt dabei zunächst auf, dass, wenn wir den freien Willen voraussetzen, unbedingt auch die umgekehrte Formulierung notwendig wird:

Der brave Bürger hat einer älteren Dame über die Straße geholfen. Er hätte ihr auch die Tasche rauben und das Strafbare seines Tuns nicht einsehen können.

An diesem Beispiel nun offenbart sich, wie die Logik der Gefühle in der Lage ist "eigene Gesetze" zu schaffen. Oft liegt darin aber ein tieferer Sinn oder es dient einem verborgenen Zweck.

3) Analyse der volkspsychologischen "Theorie" und ihre Deutung

Dass uns Menschen im allgemeinen gar nicht auffällt, dass wir den Begriff der Freiheit doch gerade dort ins Feld führen, wo wir in Wahrheit zum Ausdruck bringen wollen, dass ein Mensch sich bestimmte "Freiheiten" nicht nehmen dürfe, dies ist einmal ein "volkspsychologisches Paradoxon" - zum andern aber verweist es auf einen "blinden Fleck" in unserer "Seelenoptik". Solche blinden Flecken entstehen nicht von ungefähr - auch ihre Genese hat eine Ursache.

Warum fällt uns denn nicht auf, dass wir "können" sagen, wenn wir sollen meinen? Millionen könnten auf die Idee kommen, Gleichheit und Gerechtigkeit seien die höchsten Ideale. Sie könnten Robin-Hood-Clubs gründen und dafür sorgen, dass die Reichsten der Reichen etwas erleichtert werden. Wenn wir so "frei" handeln könnten, wie wir denken können, wäre das längst geschehen. Ist es also unsere "Freiheit", uns bestimmte Freiheiten nicht zu nehmen?

Nein - es ist unsere Einsicht!

Ist diese Einsicht nicht gegeben, dann eröffnen sich Freiheitsgrade, die wir als Gesellschaft dem Einzelnen nicht zugestehen.

Gerade dort aber, wo sich Einzelne Freiheiten herausnehmen, die ihnen nicht zustehen (die "Freiheit des einen endet dort, wo das Recht auf Freiheit des anderen beginnt), wird nicht argumentiert:

"Du hast nicht eingesehen, dass du dir eine Freiheit genommen hast, die dir nicht zusteht"

Vielmehr wird die Gegenreaktion verklausulierend kaschiert unter der paradoxen Wendung:

"Du hättest einsehen können, dass du dir eine Freiheit genommen hast, die dir nicht zusteht - also hättest du auch die Freiheit gehabt, dir diese Freiheit nicht zu nehmen"......









"FREIER" WILLE - TEIL III: naturwissenschaftliche Grundlagen


Mein Konzept ist in diesem Teil naturwissenschaftlich-reduktionistisch und umfasst daher nicht alle Facetten des Phänomens.

1) Gewinnendes Neuron - der Begriff ist im verlinkten Text markiert

Der Begriff des "gewinnenden Neurons" ist für den Naturwissenschaftler von elementarer Bedeutung.
In neuronalen Netzwerken stehen Neuronen oder Neuronenverbände praktisch permanent untereinander in einem "Wettbewerb".
Die häufigste Form des "Gewinnens" stellt das "landläufige" "mehr Bekommen" dar. Ausgehend von einem Reizinput wird in diesem Fall ein gewinnendes Neuron durch vorangehende "Additionselemente" "das meiste abbekommen".
Es gibt aber noch weitere Vorbedingungen, die zu einem "Gewinnen" führen können, wie z.B. vorangehende


Wichtig ist mir aufzuzeigen, dass in unserem Nervensystem tief implementiert ein Prinzip "arbeitet", das uns auf sämtlichen Ebenen immer und immer wieder begegnen wird und das bis in unser Selbstverständnis hineinreicht mit der Frage:

Was bewegt uns?

Was sich auf der neuronalen Ebene als Gewinnen darstellt,
treffen wir auf höherer Ebene in der Verhaltensbiologie als Motivation wieder
und schließlich begegnet uns dies auf der höchsten Ebene als Wille .

Auf der Ebene der Motivation geht es aber nicht mehr nur um das Ergebnis (das Gewinnen), sondern um einen komplizierten Prozeß, der sich hier bereits generiert hat. Schon in der Motivation des Tieres ist ganz klar das Prinzip der Antizipation verwirklicht. Zielgerichtetes, "zielursächliches" Verhalten resultiert aus dem Trick, den die Evolution zustande gebracht hat, einen Zustand, der einmal Gegenwart war, "nach vorne" zu setzen in die noch nicht eingetretene Zukunft, ihn also zu antizipieren. Dabei geschieht folgendes: Der "nach vorne gesetzte" Zustand wird aus der Erinnerung generiert, enthält aber im wesentlichen nur bestimmte Elemente (die Reize). Das Ziel (z.B. die Sättigung) ist in der Erinnerung nicht gespeichert. Wenn wir hungrig sind, können wir das Hungrigsein nicht durch die Erinnerung des Sattseins auslöschen. Ja generell können wir uns Befriedigungszustände nur in einer schwachen Abstraktion vorstellen. Und darin liegt gerade der Trick:
Daraus resultiert eine (neuronal) berechenbare Differenz.
Diese führt nun aber nicht geradewegs zu einem "Gewinn".
Vielmehr wird nun ab dieser Stufe die Differenz als "innere Spannung" erhalten und beständig nachgeladen, bis das Ziel erreicht ist (Appetenz).
Das Phänomen des Antriebs ist entstanden.
Appetenz bedeutet dabei, dass ein Tier es bereits bewältigt, sich ohne das gegenwärtige Vorhandensein eines Reizes die innere Motivation aufzubauen, sich auf einen Ort hin zu bewegen, an dem dieser Reiz wahrscheinlich anzutreffen ist.

Ich mache darauf aufmerksam und werde dies immer wieder tun, dass immer und überall dabei Prozesse eine unsagbar wichtige Rolle spielen, bei welchen neuronale Berechnungen durchgeführt werden, bei welchen es am Ende zu Resultaten kommen muss. Was bei der einfachen Subtraktion vier minus drei gleich eins (vier gewinnt) herauskommt, mag sich in großen Neuronenverbänden ungeheuer komplex darstellen. Vom Prinzip her geht es aber um das gleiche: Wer gewinnt ?

Eine ungemein sinnige Idee als Metapher für konkurrierende Systeme (in diesem Fall "zelluläre Automaten") hat 1970 John Horton Conway entwickelt. Die Idee läuft unter dem Namen Conways Spiel des Lebens und man sollte sich dieses Spiel unbedingt einmal anschauen. Selbstverständlich ist keine dirkekte Übertragung auf die Biologie ( etwa Nervenzellen) möglich - aber dieses Spiel verdeutlicht vor allem dem Laien auf anschauliche Weise, wie einfachste Regeln bereits zur Fulguration von Phänomenen führen, die man durchaus in einer gewissen Parallele zum Leben sehen kann.

Unsere Vorstellungskraft langt bei weitem nicht hin, uns in die Dimension unseres Gehirns hinein zu versinnieren. Wir müssen konstatieren, dass unser Verständnis oft auch nur am rein Quantitativen scheitert. Alle Theorien, die sich mit sogenannten hyperkomplexen Strukturen beschäftigen, haben damit zu schaffen.

Gerade hier unterliegen wir (der Geisteswissenschaftler?) in besonderem Maße der Versuchung, die Emergenz von Neuem zu extrem auszulegen. Dies will ich erläutern: Bei allem, was wir in dieser Welt beobachten (die Biologie jetzt ausgenommen), stoßen wir immer wieder auf materielle "Grundbausteine". Das verbindet alle Phänomene. Es gibt keine parallel existierende Welt neben der materiellen, die uns experimentell zugänglich wäre und in die gegebenenfalls die materielle Welt "umschlagen" könnte.

Nur bei uns selbst geschieht so etwas (und bei vielen Lebewesen neben uns wohl sicherlich auch). Wir verfügen über ein Bewusstsein - und dieses ist uns experimentell nicht zugänglich. "Von außen" sehen wir nur Materie(...) "Von innen" (bewusst) sehen wir nur (?...)
Demnach bleibt uns zwar viel Raum zum Spekulieren. Dass der Ansatz der naturwissenschaftlichen Forschung aber im System der Materie verhaftet bleibt, darf nicht als Vorwurf gemacht werden (wie es immer wieder geschieht). Der Naturwissenschaftler tut eben immer nur was er kann. Was er nicht kann, das kann er eben nicht. Spekulieren kann auch er - im Gegensatz zu vielen anderen weiß der Naturwissenschaftler aber in der Regel, wann er spekuliert.

Somit bleiben alle naturwissenschaftlichen Erklärugsmodelle, die sich mit menschlichem Verhalten resp. menschlichen Handlungsweisen beschäftigen, ebenfalls an ein materielles Grundverständnis gebunden. Damit wird Bewusstsein nicht ausgeklammert (was einige Extremdenker allerdings doch versuchen, wie wir gesehen haben). Bewusstsein läßt sich aber nicht erklären. Alle Theorien, die sich mit diesem Phänomen auseinandersetzen, beschäftigen sich mit seinem Zustandekommen aus dem heraus, was uns eben zugänglich ist: dem Gehirn.

2) "Bewusstseinspflichtige" neuronale Strukturen: Die Großhirnrinde

a) Arbeiter "in Sachen Information"

Im Eilschritt bin ich nun vom "gewinnenden Neuron", also der untersten Ebene neuronaler Komplexität, zur obersten Ebene gesprungen, der Großhirnrinde.
Wir haben zwar zwei parallele Threads - einen über den Willen und den anderen über das Bewusstsein. Sie sind jedoch eng miteinander verzahnt.

Es geht mir hier im wesentlichen um eine Konvention - ohne Zwang natürlich, sie unbedingt anerkennen zu müssen:

Es ist sämtlichen Nervensystemen (neuronalen Strukturen, Netzwerken, Funktionseinheiten usw.) eine wesentliche Systemeigenschaft gemein:

Sie erzeugen, transportieren und empfangen schnell Information.

Kernbegriffe also: Information und schnell.

Nervensysteme "beschäftigen" sich also mit Information - sie verrichten ihren "Job" im "handling" von Information.

b) Determinismus als Voraussetzung und Notwendigkeit

Dies erzwingt folgende Notwendigkeit: Wenn sich Nervensysteme mit Information "beschäftigen", kann dies nur gelingen, wenn Information zuverlässig ist.

Eine Information ist um so zuverlässiger, je selbstähnlicher sie reproduzierbar ist.

Ein Nervensystem, in welchem die von Neuronen produzierte Information einmal hier ankommt und einmal dort, einmal schnell übertragen wird und einmal langsam, einmal stark ist und einmal schwach, einmal hemmend und einmal erregend: Ein solches Nervensystem könnte nicht arbeiten.

Zuverlässlichkeit als Voraussetzung der Funktion eines Systems ist aber nur denkbar in kausalen, deterministischen Welten.

Eine nicht-deterministische oder indeterminierte Welt kann keine beständigen Strukturen hervorbringen.

Innerhalb des Determinismus muss aber unterschieden werden zwischen linear determinierten Systemen und nicht linear determinierten Systemen.

Das Gehirn ist ein nicht linear determiniertes System.

Ein gutes Beispiel für ein nicht linear determiniertes System bzw. (synonym) für ein deterministisches Chaos ist das Magnetpendel.

Man spricht auch von einer "schwachen" und einer "starken" Kausalität.

Klassische Physik - linear determinierte Systeme - starke Kausalität:

Bei der starken Kausalität genügt es(!), Systeme hinreichend ähnlich zu präparieren, um gleiche (vergleichbare) Messergebnisse zu bekommen.

Die starke Kausalität überfordert nicht die Messgenauigkeit oder umgekehrt: Bei der starken Kausalität scheitern Messungen nicht an den Grenzen der technischen Machbarkeit.

Chaotische Systeme - nichtlinear determinierte Systeme (deterministisches Chaos) - schwache Kausalität:

Bei nichtlinear determinierten Systemen käme es ausschließlich bei identisch präparierten Systemen zu verwertbaren (nämlich identischen) Messergebnissen. Jede noch so kleine Abweichung vom Anfangszustand führt aber zu einem nicht vorhersehbaren und daher nicht verwertbaren Messergebnis. Da diese Systeme weder identisch präpariert werden können noch ein Resultat mit der gebotenen Messgenauigkeit erfasst werden kann, entziehen sich diese Systeme der Berechenbarkeit.
Es sind aber sehr wohl deterministische Systeme - d.h. ihr Anfangszustand legt ihren Endzustand ebenso fest, wie es bei der starken Kausalität geschieht. Ihre Eigenart liegt darin begründet, dass sie hochsensibel auf Anfangsbedingungen reagieren und sich daher prinzipiell einer Berechenbarkeit entziehen.


Das Prinzip der schwachen Kausalität ist auf jedes System anwendbar.

>>Die Bewegung von Sauerstoffmolekülen, die in einer Sekunde milliardenfach zusammenprallen, ist bereits nach der 56ten Karambolage, also einem Bruchteil von Millisekunden, nicht mehr berechenbar, wenn man die geringste aller auf die Moleküle wirkenden Kräfte berücksichtigt, nämlich die Gravitationskraft eines Elektrons, das sich irgendwo am Rande des Universums befindet.<< bb) Determinismus und Zuverlässigkeit im Lichte der Quantenphysik

Nach den derzeit gängigen Beschreibungsmodellen der Quantenmechanik ist der Zufall immer noch nicht aus dieser (anderen...?) Welt zu eliminieren. Dabei soll der Zufall in der Quantenwelt ein "echter" sein - er entstehe gemäß dieser Beschreibung nicht lediglich dadurch, dass wir in Unkenntnis über bestimmte Werte oder Größen wären.

Heißt dies, dass auch unser Gehirn und damit wir dem "Wetterleuchten" quantenmechanischer Zufallswirkung ausgeliefert sind?

Diese Frage braucht überhaupt gar nicht beantwortet zu werden. Denn das Gehirn ist massenhaft Störeinflüssen ausgeliefert. Es interessiert also überhaupt nicht, ob das Gehirn unkalkulierbaren Einflüssen ausgeliefert ist. Es interessiert einzig und allein, wie das Gehirn damit fertig wird.

Am Ende jedenfalls soll ein Resultat stehen, das ausreichend zuverlässig ist. Neuronale Netzwerke arbeiten schon selbst praktisch niemals "sauber digitalisiert". Zustände in neuronalen Netzen haben nicht "Schalterstellungen" wie ein/aus, ja/nein usw. Vielmehr ähneln Zustände neuronaler Netze analogen Modulationen und sind fast stets "Wahrscheinlichkeits-verzittert".

Daher kommt es bei dieser Vorgehensweise fast stets zu Gewichtungen (zu Wertebereichen) und nicht zur Ermittlung exakter Werte.

Aber im Ergebnis müssen die exakten Werte dann doch vorhanden sein - sonst könnten wir niemals einen Ball exakt fangen. Auch die bewusste Wahrnehmung erfordert eine exakte Festlegung - besonders gilt dies für das Sehen. Einem Wahrnehmungspunkt muß ein exakter Ort zugewiesen werden und eine exakte Farbe. Gelingt dies dem Gehirn nicht mehr, wird das Sehen verschwommen.

Die Festlegung auf exakte Werte kann man sich immer wie die Zuschauerbefragung in einer Quiz-Show vorstellen. 90% Zuschauermeinung werden umgesetzt in ein klares ja oder nein.

Da das Gehirn auf diese Weise funktioniert und nicht fähig ist, irgend eine Software "zu schlucken", muss es trainiert werden. Kein einziges Verhalten wird dadurch schon umsetzbar, dass ein Mensch irgendwelche Zusammenhänge "erkennt". Das Erkennen ist immer nur der erste Schritt. Danach muss Verhalten jedweder Art eingeübt werden.

Dabei verfolgt das Gehirn fast in allen seinen Systemen zwei Constraints (Constraint: Vorgehensweise, um den Wertebereich einer Variablen einzuschränken - hier in diesem Fall Fehlerwahrscheinlichkeit möglichst auf Null):

Im ersten Constraint geht es darum, möglichst sehr schnell und mit hoher Flexibilität von der anfänglich extrem hohen Fehlerwahrscheinlichkeit wegzukommen:

SCHNELLES, FLEXIBLES LERNEN

In der Nähe des Ziels angekommen (Fehlerwahrscheinlichkeit vielleicht nur noch 10%) greift der zweite Constraint: Bei abnehmender Flexibilität langsamer, bedachter, sorgsamer, gründlicher einer Präzision immer näher zu kommen:

LANGSAMES, PRÄZISES LERNEN

Diese Strategie der zwei Constraints durchzieht alle Bereiche und geht bis hinein in die perspektivische Vorausschau und Realisation unseres Lebensplanes. Auch hier gilt, dass wir uns jung erst einmal schnell unserem Ziel annähern (sonst wären wir auf halber Strecke bereits tot), um ihm dann langsamer immer näher zu kommen. Irgendwann Meister zu werden muss immer auf Kosten der Flexibilität gehen. Wer flexibel bleiben möchte (offen für Vieles), der wird dafür dann eben kein Meister. Das Gehirn verfügt immer über einen Gesamt-Etat: Entweder wir können etwas extrem gut oder einiges sehr gut oder sehr vieles mehr oder weniger schlecht.

Resümee dieses Abschnittes: Die Quantenmechanik könnte, selbst wenn sie die Resultate des Gehirns durch unkalkulierbare Einwirkung zu beeinträchtigen imstande wäre, nichts an der grundsätzlichen Arbeitsweise des Gehirns verändern. Sie könnte lediglich dafür sorgen, dass eine maximal mögliche Präzision nicht erreichbar wäre.

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